nachhaltigkeit

Bad Bergzabern auf dem Weg zur nachhaltigen Kommune


Wie kann, wie soll Bad Bergzabern im Jahr 2030 und darüber hinaus aussehen?
Gelingendes Miteinander von Menschen aus allen Generationen und Kulturen sowie Vielfalt in der Tier- und Pflanzenwelt, das sind wichtige Grundlagen für ein Leben mit Perspektive auch für kommende Generationen. Die Stadt Bad Bergzabern ist eine von acht Modellkommunen in Rheinland-Pfalz, die ihre Entscheidungen künftig an den 17 Zielen für eine nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen (Sustainable Development Goals - SDGs) orientieren möchte.
Im Rahmen des SDG-Projekts wurden 2020 in einer sog. Zukunftswerkstatt verschiedene Handlungsfelder herausgearbeitet, für die konkrete Ziele für die Kurstadt für 2030 formuliert wurden.

Am Mittwoch, 24. März 2021, fand eine öffentliche gut besuchte Webkonferenz zu den Handlungsfeldern „Zusammenleben“ und „Grünflächen und Artenvielfalt“ statt.
Ursula Schulz, Beigeordnete der Stadt und Leiterin des Projekts, und der Beauftragte der Stadt für Standortmarketing, Christian Eberle, konnten viele weiterführende Anregungen aufnehmen und zeigten sich dankbar für die konstruktiven und konkreten Impulse der knapp 20 Teilnehmer.

Zusammenleben

In der vergleichsweise kleinen Kurstadt Bad Bergzabern treffen Menschen mit ganz unterschiedlichen Hintergründen und Bedürfnissen aufeinander. Die Stadt möchte vielfältig dazu beitragen, dass die Vielfalt als Chance und Bereicherung wahrgenommen wird. Dazu sollen an möglichst vielen Stellen Möglichkeiten der Begegnung und des Kennenlernens gefördert und unterstützt werden. Vereine und Institutionen werden dazu angeregt, bei der Planung ihrer Aktivitäten generationenübergreifende, inklusive und interkulturelle Gedanken zu verankern. Märkte, wie z.B. der Hameckermarkt, oder der Kurpark sollen Orte sein, wo sich alle Menschen wohl fühlen und einander in ihrer Vielfalt als Bereicherung wahrnehmen. Gute Bildungsangebote, die Menschen in allen Lebenslagen fördern und fordern, sind wichtig, ebenso eine gute und transparente Information und Einbindung der Bürger in politische Entscheidungen zum Wohl der Stadt. Die Interessengemeinschaft „Wir für die Stadt“ ist ein zentrales Bindeglied zur Sammlung und Umsetzung von Ideen und zur Förderung der Zusammenarbeit zwischen unterschiedlichen Gruppen in der Stadt. Einkommensschwache sollen unterstützt werden. Im Bereich der Medizin und Gesundheitsförderung soll es hochwertige und bedarfsgerechte Angebote geben.

Ausgehend von den 2020 erarbeiteten sogenannten operativen Zielen wurden in der Webkonferenz Bausteine und kleine Schritte diskutiert, wie bereits bestehende gute Strukturen gefördert und neue angegangen werden können. Wichtig ist eine Bündelung von Kräften, eine klare Kommunikation und gute Öffentlichkeitsarbeit, um die Ziele präsent zu halten und die Bürger aktiv miteinzubeziehen. Ein einheitlicher Veranstaltungskalender aller Gruppen und Vereine soll eine gute Planung der Aktivitäten in der Stadt unterstützen, ein regelmäßiger Austausch zu Ideen und Vorhaben soll stattfinden. Nachhaltigkeit soll bei allen Planungen zum Konzept werden. Ob und in welcher Form Mehrgenerationenhäuser möglich sind, wird als Anregung neu mit aufgenommen. Auch die Kneipp’schen Säulen Wasser, Pflanzen, Bewegung, Ernährung und Balance sollen als Herausstellungsmerkmal für Bad Bergzabern einen besonderen Schwerpunkt darstellen und Aufnahme in den Leitfaden finden.

Grünflächen und Artenvielfalt

Gemeinsam mit der Universität Landau soll ein Biodiversitätskonzept geplant werden. Die städtischen Grünflächen, auch der Wald, sollen Begegnungsraum mit hohem Erholungswert für Menschen allen Alters sein und gleichzeitig dem Schutz der Artenvielfalt dienen.
Hier spielt der Kurpark mit der größten Grünfläche eine zentrale Rolle. Herausfordernd wird sein, die unterschiedlichen Interessen so zu verbinden, dass hier sowohl Ruhe als auch Interaktion möglich ist. Es soll Spiel-, Erlebnis- und Erholungsflächen geben und Bereiche, die klassisch, auch im Hinblick auf die Gäste und Touristen, gestaltet werden. Beteiligung der Bürger an Pflegemaßnahmen soll es geben, Aktionen von Schulklassen u.v.m.

Gerade in diesem Handlungsfeld „Grünflächen und Artenvielfalt“ ist die Liste der sogenannten operativen Ziele groß, entsprechend können und sollen hier möglichst viele Gruppen, Institutionen und Einzelpersonen im und über das Stadtgebiet hinaus zum Mitmachen angeregt und ermutigt werden. Die vorgeschlagenen Maßnahmen reichen im Privaten vom Aufstellen von Nistkästen und Insektenhotels und Anlegen von Trockenmauern über Teilnahme an Pflanzen- und Saatguttauschbörsen und den Verzicht auf Pestizide hin zu Maßnahmen zur Wassereinsparung und Nutzung von Regenwasser. Die Stadt soll mit der Anlage von Streuobstwiesen, Pflanzung von langlebigen Stauden und insektenfreundlichem Straßenbegleitgrün mehr naturnahe Bereiche schaffen und Flächen entsiegeln. Auch hier soll es gute und offene Kommunikation und Information der Bürger geben, auch z. B. durch das Gartenamt und andere Kooperationspartner. Es soll Wissen über heimische Tiere und Pflanzen vermittelt und somit auch das ökologische Bewusstsein gefördert werden. Die Waldwege, wie z.B. der Martinspfad sollen gut gepflegt werden.
Die Anregungen der Teilnehmer der Webkonferenz waren auch hier vielfältig, mutmachend und weiterführend. So könne man bei Maßnahmen zum Erhalt der guten Luftqualität als Orientierung die aus dem 18. und 19. Jahrhundert bekannten Luftschneisen beachten. Ein Teilnehmer machte auf den Einsatz von hydroponischen Pflanzen aufmerksam, eine Form von Hydrokultur, bei der Pflanzen in Wasser Wurzeln bilden und man sie ohne Erde weiter wachsen lässt. Hochbeete quer durch den Ort können gleichzeitig Lernort sein und essbares Grün liefern. Umweltbewusstes Verhalten, insbesondere Müllvermeidung und auch die korrekte Entsorgung der Hinterlassenschaften der Hunde sollten zur Selbstverständlichkeit werden. Es wurde auch angeregt, Projekte in anderen Kommunen anzuschauen und Impulse daraus mitzunehmen, wie z.B. unter www.kommbio.de

Im Mai 2021 soll es eine weitere Zukunftswerkstatt geben. Die Stadt Bad Bergzabern möchte zusammen mit möglichst vielen interessierten Bürgern einen Leitfaden entwickeln, der Hilfe und Anregung zur Umsetzung der gemeinsam erarbeiteten Ziele beinhalten wird.
Fragen, Anregungen und Informationen können Sie jederzeit an die Beigeordnete Ursula Schulz per E-Mail an u.schulz@vgbza.de senden. Mehr Informationen zum laufenden SDG-Projekt finden Sie unter https://www.bad-bergzabern.de/leben-in-bad-bergzabern/modellkommune/.

(S. Lunkenheimer, Netzwerk Nachhaltigkeit)