Kultur

Grenzgänger - Hingucker im Kurpark


In Zeiten von Abstandsregeln und Kontaktbeschränkungen ist es umso wichtiger, die schönen Dingen in der nächsten Umgebung wahrzunehmen und sich daran zu erfreuen. Ohne großen Aufsehens – aber verbunden mit viel Arbeit – ist die Skulptur „Grenzgänger“ in den Kurpark zurückgekehrt. Im Frühjahr 2019 wurde die Skulptur "Grenzgänger" mit roher Gewalt zerschlagen. Viele Monate erinnerte nur der Betonsockel, eingebettet zwischen Rosen und Lavendel, an die filigrane Betonskulptur der Künstlerin Petra Weiner-Jansen. Die Skulptur ist aus Beton (ca. 130 cm hoch) ein Unikat, entstanden im klassischen bildhauerischen Umformungserfahren (Ton/Gips/Beton). 

„Ich arbeite im Vertrauen auf die Weisheit meiner Hände. Mein künstlerischer Arbeitsprozess ist nicht vorgeplant, nicht skizziert, sondern es geschieht einfach, nicht gesucht, eher gefunden. Ich glaubte, dass meine Flügelwesen im öffentlichen Raum stehen können, da Skulpturen aus diesem Werkzyklus Kosmopoliten sind und positive Botschaften transportieren" so die Künstlerin Petra Weiner-Jansen.

Die Zerstörung hat viele Bürgerinnen und Bürger sehr betroffen gemacht und Künstler in der Region waren schockiert über die brachiale Zerstörung von Kunst im öffentlichen Raum. Die Künstlerin selbst konnte sich nicht vorstellen, dass jemand aus Spaß oder aus welchem Grund auch immer, mit roher Gewalt die Skulptur im Kurpark irreparabel zerstört hatte. Trotz ihrer Betroffenheit hatte Petra Weiner-Jansen unmittelbar den Gedanken, dass sie die Zerstörung nicht so einfach hinnehmen wollte. Die Künstlerin ist Mitglied der Südpfälzischen Kunstgilde e.V. 1997 ist sie mit ihrer Familie in die Südpfalz umgezogen. Petra Weiner-Jansen wohnt in Bad Bergzabern und arbeitet freischaffend als Bildhauerin. Mit ihren Werken ist sie über die pfälzischen und badischen Grenzen hinaus eine große Reputation in der Kunstszene. 

In einem persönlichen Gespräch machte sie sehr deutlich, dass sie alleine mit einem Wiederaufbau der Skulptur überfordert sei und ihr war bewusst, dass der brutale Akt der mutwilligen Zerschlagung, die zum Bestandteil dieser Skulptur geworden ist, auch weiterhin sichtbar bleiben sollte. In einem Gespräch mit Martin Schöneich, ein bekannter Bildhauer aus unserer Region, dessen Werke überregional große Wertschätzung finden, sagte der Künstlerin spontan Hilfe und Zusammenarbeit zu. Petra Weiner-Jansen schöpfte Hoffnung und Freude! Martin Schöneich ist für seine Großskulpturen aus Stein und Stahl bekannt und wirbt für den europäischen Gedanken. Er selbst ist ein bedachter, zurückhaltender und eher abwägender Charakter. Seit 1985 ist er freischaffender Bildhauer und Grafiker. Der pfälzische Bildhauer Martin Schöneich mit Atelier in Vorderweidenthal hat 2019 den Kaiser-Lothar-Preis erhalten. Eines der bekanntesten Werke ist der überdimensionale Eisenring, den Schöneich für die Opfer des Amoklaufs von Winnenden konzipiert hat.

Im intensiven Austausch stellte sich schnell heraus, dass sein Konzept genau die wichtigen Aspekte aufgreift und gemeinsam realisierbar schien: Aufbau der zwei verbliebenen Skulptur-Fragmente in einem Rahmen aus Stahlrohr, verschraubt mit Stahlstäben würde die Flügelskulptur "schwebend" erscheinen lassen. Viele Arbeitsstunden, Materialeinsatz und der professionelle Erfahrungsreichtum zeigen jetzt ein Ergebnis, welches die Vorstellungen von Petra Weiner-Jansen und Martin Schöneich unter künstlerischen Aspekten vereint. Das Werk trägt damit unverkennbar auch die Handschrift von Martin Schöneich.

Im Vorfeld wurden mit der Ersten Beigeordneten Gerda Schäfer, Beigeordnete Ursula Schulz und Anja Ziegler - Leiterin des Gartenamtes – Gespräche geführt, um den neuen Standort im Kurpark und die Sockelvorbereitung festzulegen. Die Wiederaufstellung der Skulptur "Grenzgänger" Ende November 2020 vor dem Haus des Gastes ist eine Bereicherung der Kunst im öffentlichen Raum in unserer Stadt. Die Stadtspitze sowie Bürgerinnen und Bürger der Stadt Bad Bergzabern danken den Künstlern für ihr großartiges Engagement, dass der Wiederaufbau der Skulptur „Grenzgänger“ realisiert werden konnte.

Kontakt zu den Künstlern: 

jansen.pur@t-online.dewww.weiner-jansen-kunst.de
schoeneich_martin@web.de